Warum Hartz 4 Empfänger nicht arbeiten wollen?
Gefragt von: Herr Prof. Dr. Hans-Dieter Sauer | Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2026sternezahl: 4.1/5 (44 sternebewertungen)
Nicht alle Hartz-IV-Empfänger (jetzt Bürgergeld) wollen nicht arbeiten; oft sind die Gründe komplex und umfassen den Mangel an passenden Jobs, gesundheitliche Probleme, die schlechte Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung, mangelnde Qualifikationen, die geringe finanzielle Attraktivität niedrig bezahlter Arbeit und fehlende Unterstützung, da sich viele Betroffene wünschten, dass Arbeit sich lohnt, aber das Bürgergeld oft nur wenig Abstand zum Lohn lässt.
Warum suchen so viele Bürgergeld-Empfänger keinen Job?
Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten, die keinen Job suchen, begründet das mit zu wenigen passenden Stellen. Ein gutes Viertel (25,5 Prozent) erklärt, dass sich die eigene finanzielle Lage nicht verbessern würde, und 22 Prozent sagen, sie seien durch die Pflege von Angehörigen oder die Kinderbetreuung gebunden.
Wie viel Prozent der Bürgergeld-Empfänger verweigern Arbeit?
Nur eine kleine Minderheit der Bürgergeld-Empfänger verweigert grundsätzlich die Arbeit (ca. 0,4%), während die Mehrheit entweder krank ist, sich um Jobs bemüht (aber oft keine Hilfe bekommt) oder andere Gründe hat; etwa die Hälfte der Bezieher sucht derzeit aktiv keinen Job, oft aufgrund von gesundheitlichen Problemen oder Pflegeaufgaben, wobei viele die Jobcenter als wenig hilfreich empfinden.
Kann das Jobcenter zwingen, Vollzeit zu arbeiten?
Nein, das Jobcenter kann Sie nicht direkt zur Vollzeitarbeit "zwingen", da es in Deutschland keine allgemeine Arbeitspflicht gibt und das Grundgesetz Zwangsarbeit verbietet, aber es kann die Annahme einer zumutbaren Arbeitsstelle (auch Vollzeit) fordern und bei Ablehnung Sanktionen (Leistungskürzungen) verhängen, wenn kein wichtiger Grund (z. B. Krankheit, Kinderbetreuung) vorliegt, der die Arbeit unzumutbar macht; daher muss man sich grundsätzlich um eine Vollzeitstelle bemühen, wenn die Lebensumstände es zulassen.
Wie viel Prozent der Arbeitslosen wollen nicht arbeiten?
Es gibt keine exakte Zahl, da die Gründe vielfältig sind, aber Studien zeigen, dass ein signifikanter Anteil (z.B. laut DIW Berlin jeder fünfte) der Arbeitslosen aus verschiedenen Gründen (mangelnde Kinderbetreuung, Frührente) nicht aktiv sucht, während eine kleine Minderheit (z.B. 0,4 % der Bürgergeld-Empfänger) Arbeit ablehnt, wobei viele Arbeitslose (43 % laut Bertelsmann Stiftung) keine Stellenangebote vom Jobcenter erhalten und Krankheiten (45 % der Bürgergeld-Empfänger) eine Rolle spielen.
Langzeitarbeitsloser: „Wenn man von der Arbeit nicht leben kann, ist es keine Arbeit" | stern TV
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Ist es normal, nie arbeiten zu wollen?
Burnout: Zu viel Arbeit, lange Arbeitszeiten oder hoher Stress können zu Burnout-Symptomen und Motivationsverlust führen. Unzufriedenheit im Job: Wenn Sie mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind, ist es eine natürliche – und verständliche – Reaktion, keine Lust mehr auf die Arbeit zu haben .
Was sind die Hauptgründe für Langzeitarbeitslosigkeit?
Gründe für Langzeitarbeitslosigkeit sind oft eine Kombination aus mangelnder Qualifikation, Alter, gesundheitlichen Problemen, schlechten Sprachkenntnissen und dem Strukturwandel der Arbeitswelt (Digitalisierung), der Qualifikationsanforderungen verändert. Auch soziale Faktoren wie Alleinerziehendensein oder Pflegende Angehörige, regionale Unterschiede sowie psychologische Effekte (Motivationsverlust) erschweren den Wiedereinstieg, selbst bei vielen offenen Stellen.
Was tun, wenn das Jobcenter schikaniert?
Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde können Bürger*innen sich gegen das persönliche Fehlverhalten von Beschäftigten im öffentlichen Dienst wehren, das sind z.B. Mitarbeiter*innen des Jobcenters oder der Polizei. Dafür müssen keine besondere Form oder Frist eingehalten werden.
Wann müssen Bürgergeld-Empfänger in Rente gehen?
Der Anspruch auf Bürgergeld endet spätestens mit Erreichen der Altersgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. Für Geburtsjahrgänge bis 1946 ist die Altersgrenze das 65. Lebensjahr. Für die Jahrgänge von 1947 bis 1963 steigt diese Altersgrenze stufenweise an, bis für die Jahrgänge ab 1964 schließlich generell das 67.
Wann ist man beim Jobcenter nicht mehr vermittelbar?
Man gilt beim Jobcenter als nicht mehr vermittelbar, wenn trotz aller Bemühungen über einen längeren Zeitraum keine Vermittlung in Arbeit gelingt, oft aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen (schwere Krankheiten, Behinderungen) oder Alter, was die Aussicht auf eine reguläre Anstellung mindert, wobei aber auch bei Krankheit noch Wege bestehen (z.B. durch Gleichstellung, Reha-Maßnahmen) und der Status nicht endgültig ist, solange man sich bemüht.
Wie hoch ist der Ausländeranteil bei den Arbeitslosen?
Der Ausländeranteil an der Arbeitslosigkeit in Deutschland ist deutlich höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung, wobei die Quoten je nach Herkunftsland stark variieren, mit höheren Werten bei Menschen aus Asylherkunftsländern (z.B. Ukraine, Syrien) und niedrigeren bei EU-Bürgern und Deutschen, mit aktuellen Zahlen um die 14,8 % Arbeitslosenquote für Ausländer (Stand September 2025). Während Ausländer überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sank die Quote der SGB-II-Hilfeempfänger (Bürgergeld) in 2025 leicht, zeigt aber bei bestimmten Gruppen (z.B. Ukraine, Syrien) weiterhin sehr hohe Werte.
Haben 60-Jährige noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt?
Doch trotz des Fachkräftemangels haben sich die Chancen für Ältere nachweislich nicht verbessert, eine Arbeit zu finden. Im Gegenteil: Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) waren im Jahr 2023 ältere Menschen im Durchschnitt 108 Tage länger arbeitslos als jüngere.
Wie viel Arbeitslosengeld bekomme ich bei 2000 € netto?
Bei 2.000 € Netto-Einkommen erhalten Sie als Arbeitslosengeld (ALG I) ca. 1.200 € (ohne Kinder) oder ca. 1.340 € (mit Kindern), da es sich um 60 % bzw. 67 % Ihres (fiktiven) Nettogehalts handelt, wobei die Bundesagentur für Arbeit die genaue Berechnung anhand Ihres Brutto-Gehalts vornimmt, um ein sogenanntes „Leistungsentgelt“ zu ermitteln. Die Berechnung ist jedoch komplexer und hängt von Ihrem tatsächlichen Brutto-Gehalt der letzten Monate ab.
Welche Nationalität bezieht am meisten Bürgergeld in Deutschland?
Die größte Gruppe der Bürgergeld-Empfänger sind Deutsche (über 50 %), aber bei den ausländischen Staatsangehörigkeiten beziehen die meisten Menschen aus der Ukraine Bürgergeld, gefolgt von Syrerinnen und Syrern sowie Afghaninnen und Afghanen, was vor allem mit der hohen Zahl an Geflüchteten zusammenhängt. Ukrainer machen einen großen Anteil der nicht-deutschen Bezieher aus (rund 13 %), da sie einen hohen Anteil der Flüchtlingsgruppe darstellen, die Bürgergeld erhält.
Was beeindruckt Personaler?
Teamfähig zu sein, ist so gut wie in jedem Job von Vorteil und gehört zu den Skills, worauf Personaler besonders achten. Wer auch immer dein zukünftiger Arbeitgeber sein wird, in den meisten Fällen wirst du einem Team zugeteilt sein. Auch im Studium spielt Teamfähigkeit eine große Rolle.
Wie viel Rente kriegt ein Bürgergeld-Empfänger?
Frankfurt – Viele Menschen, die Bürgergeld beziehen, fragen sich, wie sich diese Zeit auf ihre spätere Rente auswirkt. Die Antwort ist komplex: Bürgergeld-Empfängerinnen und -Empfänger erhalten zwar keine zusätzlichen Rentenpunkte, aber die Zeit des Leistungsbezugs wird als sogenannte Anrechnungszeit gewertet.
Wer bekommt die Grundrente von 850 €?
Anspruch auf den Grundrentenzuschlag haben Menschen mit Minirenten, die mindestens 33 Jahre Rentenbeiträge aus Arbeit, Kindererziehung oder Pflegetätigkeit aufweisen. Die Leistung soll zunächst gestaffelt werden, bei 35 Beitragsjahren kann sie die volle Höhe erreichen.
Was passiert, wenn ich mit 60 aufhöre zu arbeiten?
Wenn Sie mit 60 aufhören zu arbeiten, reduzieren Sie Ihre späteren Rentenansprüche deutlich, da Ihnen Beitragsjahre fehlen, was zu niedrigeren Rentenzahlungen führt und möglicherweise Grundsicherung im Alter nötig macht, aber Sie können unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird, was eine finanzielle Lücke schließen kann. Alternativ bieten sich Altersteilzeit mit reduzierter Stundenzahl oder Teilrente an, die eine bessere Krankenversicherung mit Krankengeldanspruch sichern kann.
Kann das Jobcenter mich zwingen, zum Arzt zu gehen?
Auch Jobcenter können den Ärztlichen Dienst beauftragen. Sie können Ihrer Fachkraft von sich aus sagen, dass Sie ein gesundheitliches Problem haben. Es ist aber auch möglich, dass Ihre Fachkraft Sie danach fragt. Dabei müssen Sie nicht angeben, welche Krankheit Sie haben oder wie Sie behandelt werden.
Was darf das Jobcenter nicht verlangen?
Das Jobcenter darf keine Pflichtangaben wie Telefonnummer/E-Mail-Adresse verlangen, Hausdurchsuchungen durchführen, unverhältnismäßig viele Kontoauszüge fordern (Schwärzen erlaubt!), vollständige Arbeitsverträge ohne Zustimmung, Informationen über ethnischer Herkunft, politische Meinungen oder Sexualleben, Hausrat (Möbel, Geräte) als Vermögen anrechnen oder private Renten (z.B. Riester) einziehen; es muss sich auf notwendige Informationen beschränken, die zur Aufgabenerfüllung dienen.
Wie wehre ich mich am besten gegen das Jobcenter?
Mit einem Widerspruch oder einem Verfahren vor dem Sozialgericht können Sie gegen Fehler des Jobcenters vorgehen. Gegebenenfalls besteht auch die Möglichkeit Prozesskostenhilfe zu beantragen. Ob Arbeitslosengeld, Hartz 4 beziehungsweise Bürgergeld oder sonstige Entscheidungen.
Welche Vorteile haben Arbeitslose?
Welche Vorteile haben Arbeitslose?
- Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Zugang zu finanzieller Unterstützung - Arbeitslosengeld und andere Leistungen. ...
- Hierarchie der finanziellen Unterstützung. ...
- Hilfe bei den Wohn- und Lebenshaltungskosten. ...
- Krankenversicherung und andere Leistungen für Arbeitslose. ...
- Zusammenfassung der Leistungen.
Wie nennt man es, wenn das Jobcenter nach Langzeitarbeitslosigkeit für eine gewisse Zeit die Lohnkosten übernimmt?
Bei Leistungen nach dem Teilhabechancengesetz übernimmt das Jobcenter Teile Ihrer Lohnkosten, wenn Sie eine langzeitarbeitslose Person beschäftigen. Einen Eingliederungszuschuss nach § 88 SGB III können Sie erhalten, wenn Sie eine Person einstellen, die aus Gründen, die in der Person liegen, schwer zu vermitteln ist.
Wie viele Arbeitslose sind vermittelbar?
Inhalt. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind laut Statistik arbeitslos und beziehen Bürgergeld, gelten also grundsätzlich als erwerbsfähig. Keine verlässlichen Informationen gab es dagegen bisher darüber, ob und wie intensiv die Betroffenen auf Jobsuche sind und wie gut die Jobcenter sie unterstützen.
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