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Wie rechnet der Anwalt mit der Rechtsschutzversicherung ab?

Gefragt von: Frau Prof. Dr. Evelin Grimm  |  Letzte Aktualisierung: 5. Mai 2026
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Der Anwalt rechnet mit der Rechtsschutzversicherung ab, indem er nach Einholung einer Deckungszusage die Rechnung direkt an den Versicherer schickt, wobei der Mandant in der Regel nur seine vereinbarte Selbstbeteiligung und Kosten für nicht gedeckte Leistungen (z.B. Reisekosten, außergerichtlich) selbst trägt; die Versicherung zahlt Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigengebühren bis zur vereinbarten Deckungssumme, oft nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG).

Wann zahlt die Rechtsschutzversicherung den Anwalt?

Wenn die Rechtsschutzversicherung eine Deckungszusage erteilt, dann übernimmt sie fast alle mit dem Rechtsstreit verbundenen Kosten. Das betrifft insbesondere: Ihre Anwaltskosten.

Wie berechnet der Anwalt seine Kosten?

So wird bei einer reinen Beratung üblicherweise eine sog. 0,55 Beratungsgebühr berechnet, also der 55ste Teil einer vollen 1,0 Gebühr. Wendet sich der Anwalt an die Gegenseite, so wird regelmäßig eine 1,3 Geschäftsgebühr ausgelöst, also eine volle Gebühr plus 30%.

Wie funktioniert die Deckungszusage einer Rechtsschutzversicherung?

Eine Rechtsschutzversicherung funktioniert wie ein Schutzschild gegen hohe Kosten bei Rechtsstreitigkeiten: Man zahlt regelmäßige Beiträge, und wenn ein versicherter Fall eintritt (z.B. im Privat-, Verkehrs- oder Arbeitsrecht), übernimmt die Versicherung Anwalts-, Gerichts- und ggf. gegnerische Kosten, oft nach einer kurzen Wartezeit, sodass man ohne finanzielle Sorge Recht durchsetzen kann. Der Prozess startet mit der Meldung an die Versicherung, die dann eine Deckungszusage erteilt und oft eine Erstberatung ermöglicht, wonach der Anwalt direkt mit der Versicherung abrechnet. 

Was zahlt die Rechtsschutzversicherung, wenn ich gewinne?

In der Rechtsschutzversicherung bekommen Sie die Selbstbeteiligung zurück, wenn Sie den Prozess gewonnen haben. Der Selbstbehalt entfällt, auch bei Teilerfolgen. Darauf wies der Deutsche Anwaltverein bereits 2016 hin. Das gilt auch dann, wenn Sie die Selbstbeteiligung bereits gezahlt haben.

Rechtsschutzversicherung und Strafrecht

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Wer zahlt die Anwaltskosten, wenn ich gewinne?

Wenn Sie einen Prozess gewinnen, zahlt grundsätzlich der Verlierer Ihre Anwaltskosten (und Gerichtskosten), die Sie vorstrecken mussten – dies wird im Urteil festgelegt, aber erst im Nachhinein durch ein Kostenfestsetzungsverfahren realisiert. Wichtige Ausnahmen sind jedoch das Arbeitsrecht (erste Instanz, hier trägt jede Partei ihre Kosten selbst), Teilgewinne (Kosten werden geteilt), sowie Strafverfahren, in denen der Staat bei Freispruch die Kosten trägt. 

Was geschieht nach einem gewonnenen Prozess?

Leider bedeutet ein vom Richter verhängtes Geldurteil nicht automatisch, dass der Beklagte den geschuldeten Betrag begleicht. Das kann zwar vorkommen, aber meistens muss der Gläubiger rechtliche Schritte einleiten, um das Urteil zu vollstrecken und den Beklagten zur Zahlung zu zwingen .

Deckt die Rechtsschutzversicherung die Anwaltskosten ab?

Eine Rechtsschutzversicherung deckt in der Regel die Anwaltskosten, sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich, bis zur Höhe der gesetzlichen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab, zuzüglich Gerichtskosten, Zeugen und Gutachter. Wichtig ist, dass Sie eine Deckungszusage einholen, bevor Sie den Anwalt beauftragen, und dass Sie eventuelle Mehrkosten für individuell vereinbarte höhere Honorare selbst tragen müssen. Die Versicherung zahlt auch bei Prozessverlust, wobei oft eine Selbstbeteiligung pro Fall anfällt. 

Was deckt den Rechtsschutz nicht ab?

Eine Rechtsschutzversicherung deckt in der Regel keine vorsätzlich begangenen Straftaten, Streitigkeiten im Familien- und Erbrecht (z.B. Scheidung), im Baurecht (Hausbau) und bei Kapitalanlagen ab; auch Kriegsfälle, Spielschulden und Kosten für vorsätzliche Rechtsverstöße wie Bußgelder sind ausgeschlossen, da diese Risiken entweder zu extrem sind oder in den Bereich anderer Versicherungen (z.B. Haftpflicht) fallen. 

Was braucht der Anwalt von der Rechtsschutzversicherung?

Ihr Anwalt braucht von Ihnen die Daten Ihrer Rechtsschutzversicherung (Name, Vertragsnummer, Schadensnummer), Ihre persönlichen Daten (Adresse, Kontakt), Details zum Fall und alle relevanten Unterlagen wie Verträge, Schriftverkehr, Rechnungen und Belege sowie Ihre Bankverbindung, damit er die Kostenübernahme klären und Ihnen abrechnen kann. Oftmals übernimmt der Anwalt die direkte Kommunikation und Einholung der Deckungszusage bei der Versicherung.
 

Wie hoch sind die Anwaltskosten bei einem Streitwert von 10.000 €?

Bei einem Streitwert von 10.000 € liegen die einfachen Anwaltskosten (1,0-fache Gebühr) nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) meist zwischen ca. 550 € und 650 €, abhängig von der Art der Tätigkeit (z. B. einfache Schriftstücke, gerichtliche Vertretung) und dem genauen Gebührensprung im Vergütungsverzeichnis, wobei auch Gerichtskosten hinzukommen, die bei ca. 240 € bis 720 € liegen können. Die genauen Kosten hängen vom Fall ab – eine außergerichtliche Einigung ist günstiger als ein langwieriger Prozess.
 

Welche Gebühren darf ein Anwalt abrechnen?

Ein Anwalt darf nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) abrechnen, was sich nach Gegenstandswert (Streitwert) richtet, aber auch Pauschalen (Erstberatung) und Auslagen (Kopien, Porto, Fahrtkosten) sowie Mehrwertsteuer beinhaltet. Für eine Erstberatung gibt es eine gesetzliche Obergrenze (max. 190 € netto + MwSt. für Verbraucher), ansonsten können individuelle Vergütungsvereinbarungen (z.B. Stundensatz, Pauschale) getroffen werden. 

Wann kommt die Rechnung vom Anwalt?

Die Anwaltsrechnung kommt meist nach Abschluss der Tätigkeit oder bei Teilzahlungen als Vorschuss, aber der Anwalt darf schon zu Beginn Vorschüsse verlangen; die Fälligkeit tritt oft erst mit der vollständigen Erledigung der Sache ein, wobei eine Schlussrechnung unverzüglich danach folgt, kann aber auch in Teil- oder Vorschussrechnungen aufgeteilt werden, die auch früher kommen können. Bei Gerichtsverfahren wird die Gebühr fällig, wenn die Sache beendet ist oder das Verfahren länger ruht, wobei die Rechnung selbst (Berechnung) oft erst nach Fälligkeit der Kosten versendet wird. 

Deckt meine Rechtsschutzversicherung die Anwaltskosten ab?

Eine Rechnung vom Anwalt trotz Rechtsschutzversicherung kann kommen, wenn eine Selbstbeteiligung fällig wird, der Anwalt Sonderleistungen erbracht hat, die nicht gedeckt sind, oder wenn das vereinbarte Honorar höher ist, als die Versicherung zahlt – oft müssen Sie dann nur die Differenz zahlen; die Hauptkosten (Gerichtskosten, gegnerische Anwaltskosten etc.) übernimmt der Versicherer nach Deckungszusage direkt. Prüfen Sie immer die Deckungszusage genau, fordern Sie diese schriftlich ein und klären Sie mit Ihrem Anwalt ab, welche Kosten er direkt mit der Versicherung abrechnet und welche Sie selbst tragen müssen. 

Kann ich mit Advocard zu jedem Anwalt?

Ja, mit ADVOCARD haben Sie grundsätzlich freie Anwaltswahl (§ 127 VVG), können also jeden zugelassenen Anwalt wählen, aber oft gibt es finanzielle Vorteile (schnellere Terminvergabe, bevorzugte Behandlung, keine Selbstbeteiligung) bei der Nutzung des ADVOCARD-Partnernetzwerks, auch wenn Sie einen eigenen Anwalt wählen können, der dann nach gesetzlichen Gebühren (RVG) abgerechnet wird und ggf. eine Selbstbeteiligung anfällt, so Advocard. 

Was kann ich tun, wenn meine Rechtsschutzversicherung die Kosten für meinen Rechtsschutz nicht übernimmt?

Wenn Ihre Rechtsschutzversicherung nicht zahlt, obwohl Sie einen Anspruch vermuten, legen Sie Widerspruch ein, prüfen Sie die Ablehnungsgründe (z.B. Wartezeit, Leistungsausschluss) und suchen Sie fachkundige Hilfe bei einem Anwalt oder der Versicherungsombudsstelle (kostenlos) oder der BaFin. Oft liegt der Grund in nicht versicherten Rechtsgebieten (z.B. Familien-, Erbrecht) oder vertraglichen Ausschlüssen. 

Wann muss man den Rechtsanwalt der Gegenseite bezahlen?

Zahlt die Gegenseite, nachdem der Anwalt mit der außergerichtlichen Geltendmachung beauftragt ist, muss sie – Verzug vorausgesetzt – in der Regel auch die Kosten der anwaltlichen Vertretung tragen. Dies gilt auch dann, wenn die Zahlung vor dem Zugang eines Aufforderungsschreiben des Anwalts erfolgt.

Ist mein Rechtsschutz im Ausland gültig?

Üblicherweise besteht der Schutz der Bausteine Verkehrsrechtsschutz und Privatrechtsschutz innerhalb Europas zeitlich unbegrenzt. Viele Versicherer zählen dazu auch Urlaubsländer wie Tunesien und die Türkei. Der Versicherungsschutz für den privaten Bereich besteht bei einigen Tarifen auch außerhalb Europas.

Wie hoch ist der Stundensatz für eine Rechtsschutzversicherung?

2. Berechnen Sie auch Stundensätze? WW Fachanwalts- und Rechtsanwaltskanzlei rechnet generell nach einem Stundensatz zwischen 240 und 400 Euro (+ USt.) ab, sobald der Umfang der anwaltlichen Tätigkeit nicht seriös abschätzbar ist.

Wann werden die Anwaltskosten erstattet?

Anwaltsgebühren gelten als Verzugsschaden und müssen nur ersetzt werden, wenn Sie vor der Beauftragung des Anwalts schuldhaft in Verzug waren.

Was kostet mich ein Anwalt ohne Rechtsschutz?

Anwaltskosten ohne Rechtsschutz richten sich nach dem Gegenstandswert (Streitwert) und dem Rechtsgebiet, wobei die Erstberatung bei maximal 190 € netto (226,10 € brutto) gedeckelt ist; bei geringem Einkommen helfen Beratungshilfe (außergerichtlich) oder Prozesskostenhilfe (gerichtlich), die Anwalt und Gerichtskosten übernehmen können, wenn eine Erfolgsaussicht besteht. Ansonsten fallen Gebühren nach dem RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) an, die je nach Fall (z.B. Mietvertrag, Arbeitsrecht) stark variieren und oft teurer sind, als man denkt, weshalb eine Abrede der Kosten zu Beginn wichtig ist.
 

Kann man mit Rechtsschutz zu jedem Anwalt gehen?

Das Wichtigste in Kürze. Gehört die freie Anwaltswahl zum Leistungsumfang der Rechtsschutzversicherung, dürfen Sie Ihren Anwalt frei wählen. Dies ist bei den meisten Tarifen der Fall. Die Entscheidung für einen Partneranwalt der Versicherung bringt jedoch in der Regel finanzielle Vorteile für den Versicherten mit sich.

Was passiert, wenn man einen Prozess verliert?

Wer vor Gericht verliert, ist stets in mehrfacher Hinsicht geschädigt. Vor Gericht gilt: Wer verliert, zahlt die gesamten Kosten des Rechtsstreits. Diese setzen sich zusammen aus den eigenen Anwaltskosten, den gegnerischen Anwaltskosten und den Gerichtskosten. Dabei können sich erschreckend hohe Beträge aufsummieren.

Wie lange dauert es, bis es zu einem Prozess kommt?

Nach der Anklageerhebung dauert es bis zur Hauptverhandlung mehrere Monate – meist 3 bis 6 Monate, je nach Auslastung der Gerichte. Das eigentliche Kernstück des Verfahrens, die Gerichtsverhandlung bzw. Hauptverhandlung vor Gericht, kann an einem einzelnen Tag erledigt sein.

Wie läuft der Prozess?

Der Prozess beginnt mit dem Ermittlungsverfahren, in dem die Staatsanwaltschaft Beweise sammelt und den Tatverdacht prüft. Auf die Anklage folgt das Hauptverfahren, in dem das Gericht über Schuld oder Unschuld entscheidet und ein Urteil fällt.

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