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Was wird beim Bürgergeld alles bezahlt?

Gefragt von: Sergej Fink-Raab  |  Letzte Aktualisierung: 7. Mai 2026
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Bürgergeld zahlt den Regelbedarf für den täglichen Lebensunterhalt (Essen, Kleidung, Strom) sowie die Kosten für Unterkunft und Heizung in angemessener Höhe. Zusätzlich werden Mehrbedarfe (z.B. für Schwangere, Alleinerziehende) und einmalige Leistungen (Erstausstattung für Wohnung, Kleidung nach Brand) gezahlt. Auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden übernommen.

Wird beim Bürgergeld auch der Strom bezahlt?

Nein, die normalen Stromkosten (Haushaltsstrom) werden nicht extra bezahlt, sondern sind Teil des monatlichen Bürgergeld-Regelsatzes (aktuell ca. 45–50 € für Alleinstehende), aus dem sie selbst beglichen werden müssen. Ausnahmen bestehen bei Stromschulden, die das Jobcenter oft als Darlehen übernimmt, oder wenn der Allgemeinstrom (Treppenhaus) als Nebenkostenabrechnung gezahlt wird, aber eine Übernahme der Stromrechnung selbst findet nicht statt. 

Was müssen Bürgergeld-Empfänger selbst zahlen?

Bürgergeld-Empfänger zahlen aus dem monatlichen Regelsatz (z.B. 563 € für Alleinstehende) ihre täglichen Ausgaben für Lebensmittel, Kleidung, Körperpflege und den Anteil der Haushaltsenergie (Strom), während das Jobcenter Miete und Heizung übernimmt (sofern angemessen) und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlt; selbst zu tragen sind oft Medikamentenzuzahlungen und Rentenlücken entstehen, da Beiträge nicht gezahlt werden, es sei denn, es gibt Einkommen oder Mehrbedarfe. 

Was sind die Nachteile von Bürgergeld?

Nachteile des Bürgergelds sind vor allem die strikten Sanktionen bei Pflichtverletzungen (wie versäumte Termine), die mangelnde finanzielle Motivation bei Geringverdienern (da die Wohnung gezahlt wird, aber die Miete bei Jobverlust plötzlich selbst getragen werden muss) und die mögliche Benachteiligung gegenüber Rentnern bei bestimmten Regelungen. Auch der hohe bürokratische Aufwand für Empfänger und Jobcenter sowie die fehlende Altersvorsorge durch den Wegfall von Rentenbeiträgen bei Erwerbslosigkeit sind wesentliche Kritikpunkte. 

Wie groß darf die Wohnung bei Bürgergeld sein?

Auch bei der Größe der Wohnung gibt es für die Bezieher von Bürgergeld, wie bei Mietkosten, ein paar Vorgaben. Auch hier spricht das Jobcenter von der sogenannten Angemessenheit. So hat eine einzelne Person üblicherweise einen Anspruch auf eine Wohnung mit einer Größe von circa 45 Quadratmetern.

Fragen und Antworten zum Bürgergeld

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Was wird außerdem noch bezahlt, wenn man Bürgergeld bezieht?

Zu den Bürgergeld-Leistungen gehören der Regelsatz für den Lebensunterhalt, die Warmmiete und eventuelle “Mehrbedarfe”. Ist dein Einkommen niedriger als die Bürgergeld-Leistungen, besteht Hilfebedürftigkeit. Das Jobcenter zahlt dann den Differenzbetrag.

Was ist besser, Wohngeld oder Bürgergeld?

Ob Wohngeld oder Bürgergeld besser ist, hängt von Ihrer finanziellen Situation ab: Wohngeld ist besser, wenn Sie ein eigenes Einkommen haben, das aber nicht für die Miete reicht (höhere Vermögensfreibeträge, weniger Auflagen). Bürgergeld ist besser, wenn Sie gar kein Einkommen haben oder Ihr Einkommen so gering ist, dass der Lebensunterhalt komplett nicht gedeckt ist (umfassendere Absicherung). Wohngeld ist vorrangig, aber bei Bedarf können Sie zum Jobcenter wechseln, wenn Wohngeld nicht ausreicht; umgekehrt schließt Bürgergeld einen Anspruch auf Wohngeld aus. 

Was wird vom Bürgergeld nicht bezahlt?

Bürgergeld erhält, wer erwerbsfähig ist und seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen decken kann. Zudem reichen andere vorrangige Leistungen wie Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag nicht aus.

Wie viel darf man zum Bürgergeld dazuverdienen?

Zum Bürgergeld dürfen Sie bis zu 100 € komplett ohne Abzüge dazuverdienen, darüber hinaus gibt es gestaffelte Freibeträge: Bis 520 € (Minijob-Grenze 2026) bleiben zusätzlich 20 % des Einkommens anrechnungsfrei, von dem Teil über 520 € bis 1.000 € bleiben 30 % frei, und von dem Teil zwischen 1.000 € und 1.200 € werden nochmals 10 % (maximal 20 €) nicht angerechnet. Wenn Sie mindestens ein minderjähriges Kind haben, liegt die Grenze für den letzten Freibetrag bei 1.500 €. 

Was passiert nach 12 Monaten Bürgergeld?

In der Regel wird das Bürgergeld für 12 Monate bewilligt. Anschließend müssen Sie einen Weiterbewilligungsantrag stellen. Mehr erfahren Sie auf der Seite: Bürgergeld: Auszahlung und Dauer. Zuständig für das Bürgergeld sind die Jobcenter vor Ort.

Wer zahlt Zahnersatz bei Bürgergeld?

Bei Bürgergeld zahlt die Krankenkasse den Zahnersatz, aber meist nur die Regelversorgung (Standardversorgung), den Restbetrag trägt man selbst, es sei denn, man bekommt einen Härtefall anerkannt, wodurch die Krankenkasse die Kosten für die Regelversorgung vollständig übernimmt. Das Jobcenter ist für Zahnersatz nicht zuständig, aber ein Härtefallantrag bei der Krankenkasse ist für Bürgergeld-Empfänger meist erfolgreich und sichert die vollständige Übernahme der Basisversorgung. 

Wie viel Geld darf man auf dem Konto bei Bürgergeld haben?

Beim Bürgergeld dürfen Sie im ersten Jahr (Karenzzeit) bis zu 40.000 € Vermögen pro Person behalten, danach reduziert sich dieser Freibetrag auf 15.000 € pro Person in der Bedarfsgemeinschaft (BG). Zusätzlich gibt es für jede weitere Person in der BG (z. B. Partner, Kinder) weitere 15.000 €. Ein Auto mit einem angemessenen Wert (aktuell bis 7.500 €) zählt nicht zum Schonvermögen. 

Wird Telefon und Internet vom Jobcenter bezahlt?

Die laufenden Kosten für Telefon und Internet sind hingegen im Bürgergeld Regelsatz enthalten. Obwohl Telefon und Internet zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben notwendig sind, muss beides nicht als Mehrbedarf von Jobcenter bezahlt werden. Die Kosten hierfür sind bereits im Regelsatz enthalten.

Was passiert, wenn ein Bürgergeld-Empfänger die Miete nicht zahlt?

Wenn ein Bürgergeld-Empfänger die Miete nicht zahlt, muss er sich sofort beim zuständigen Jobcenter melden, um einen Antrag auf Übernahme der Mietschulden als Darlehen zu stellen, besonders bei drohender Wohnungskündigung. Das Jobcenter kann Mietschulden als Darlehen übernehmen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern, wenn die Miete angemessen ist, aber es besteht kein Rechtsanspruch. Bei wiederholten unzuverlässigen Zahlungen kann das Jobcenter die Miete auch direkt an den Vermieter zahlen, um eine Kündigung zu vermeiden. 

Ist es möglich, Bürgergeld zu beziehen, wenn mein Haus zu groß ist?

Wenn ein Haus beim Bürgergeld als "zu groß" eingestuft wird, kann der Anspruch auf Leistungen entfallen oder es muss eine Verwertung (Teil- oder Gesamtaufgabe) erfolgen; entscheidend ist, dass die Wohnfläche die Angemessenheitsgrenze (meist 140 m² für eine Person, plus 20 m² pro weitere Person) überschreitet, was als „verwertbares Vermögen“ gilt und zu Ablehnung oder Darlehen führt, bis das Haus verkauft oder vermietet wird.
 

Welche Heizkosten werden vom Jobcenter übernommen?

Oft gilt als grober Richtwert, dass etwa 1 EUR Heizkosten pro 1 Quadratmeter Wohnfläche anerkannt werden, wenn die Wohnfläche angemessen ist. Diese Größe ist aber nur eine sehr vage Orientierung, denn das Jobcenter darf nicht pauschal entscheiden, sondern muss immer die Umstände des Einzelfalls prüfen.

Was kann ich tun, wenn mein Bürgergeld nicht reicht?

Wenn das Bürgergeld nicht reicht, müssen Sie zusätzliche Leistungen beantragen, einen Härtefallantrag stellen, einen Vorschuss oder Darlehen beantragen, bei Schulden Schuldnerberatung suchen oder prüfen, ob Grundsicherung oder Wohngeld in Frage kommen; wichtig ist immer, den Antrag beim Jobcenter zu stellen und Nachweise zu erbringen. 

Wie viel Arbeitslosengeld bekomme ich bei 1800 € netto?

Bei 1800 € Netto erhalten Sie ca. 1080 € Arbeitslosengeld I (ALG I) ohne Kinder (60% vom fiktiven Netto) oder ca. 1206 € mit Kindern (67% vom fiktiven Netto), basierend auf Ihrem letzten Brutto-Gehalt; das genaue Geld hängt vom Brutto ab, wird aber oft auf Basis des letzten Brutto-Einkommens berechnet, das zu diesem Netto führte. 

Was bleibt von 520 Euro Job bei Bürgergeld?

Bei einem 520-Euro-Job (Minijob) neben dem Bürgergeld dürfen Sie von Ihrem Verdienst bis zu 184 Euro behalten, die nicht auf die Leistungen angerechnet werden, während der Rest auf Ihr Bürgergeld angerechnet wird; die ersten 100 € sind komplett anrechnungsfrei, von den restlichen 420 € (bis 520 €) sind 20 % (84 €) ebenfalls frei. Insgesamt bleibt Ihnen also ein Betrag von 184 € zusätzlich zum Bürgergeld, der Rest wird verrechnet. 

Was kann man als Bürgergeld-Empfänger alles beantragen?

Als Bürgergeld-Empfänger können Sie den monatlichen Regelsatz (für Lebenshaltung) sowie die tatsächlichen, angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung beantragen; darüber hinaus gibt es einmalige Leistungen (Erstausstattung, Schwangerschaft), Mehrbedarfe (Alleinerziehende, Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung) und Leistungen für Bildung & Teilhabe (Schulausflüge, Nachhilfe) sowie Beiträge zur Krankenversicherung, zusätzlich zum Regelsatz. Auch die Übernahme von Hypothekenzinsen bei Wohneigentum ist möglich. 

Kann Bürgergeld komplett gesperrt werden?

Ja, das Bürgergeld kann unter bestimmten Umständen (z.B. wiederholte, grundlose Verweigerung zumutbarer Arbeit) komplett gestrichen werden, allerdings nur für maximal zwei Monate, wobei die Unterkunftskosten oft direkt an den Vermieter gezahlt werden, um Obdachlosigkeit zu verhindern; dies wurde 2024 durch eine Gesetzesänderung eingeführt, ist aber rechtlich umstritten und wird durch geplante neue Regelungen (neue Grundsicherung) weiter verschärft. 

Wann wird Bürgergeld abgelehnt?

Bürgergeld wird abgelehnt, wenn Einkommen oder Vermögen zu hoch sind, andere vorrangige Sozialleistungen (wie ALG I, Wohngeld, Kindergeld) nicht ausgeschöpft wurden, die Hilfebedürftigkeit nicht nachgewiesen werden kann, oder bei fehlender Mitwirkung (z. B. keine Unterlagen), wobei letzteres oft nur zu Leistungskürzungen führt, aber auch eine vollständige Versagung möglich ist. Auch wenn ein «zumutbarer» Job dauerhaft abgelehnt wird, kann es zu Sanktionen kommen.
 

Wie lange bekommt man Bürgergeld?

Bürgergeld bekommen Sie normalerweise für 12 Monate. Unter bestimmten Voraussetzungen wird Bürgergeld nur für 6 Monate gewährt, zum Beispiel wenn … die Kosten für Ihre Unterkunft und deren Heizung unangemessen sind.

Wie hoch darf die Miete sein, um Wohngeld zu bekommen?

Die maximal berücksichtigte Miete für den Wohngeldanspruch hängt von Ihrer Postleitzahl (Mietstufe), der Anzahl der Haushaltsmitglieder und Ihrem Einkommen ab, wobei es keine starre Obergrenze gibt, sondern Höchstbeträge für die Miete (Kaltmiete plus Betriebskosten) je nach Mietstufe festgelegt werden, die vom Staat als angemessen angesehen werden (Beispiel 2024: 1 Person, Mietstufe 1 bis 476,60 €, Mietstufe 7 bis 780,60 €). Entscheidend ist, dass Ihr Gesamteinkommen die jeweiligen Einkommensgrenzen nicht überschreitet, die ebenfalls nach Mietstufe und Haushaltsgröße variieren. 

Welche zusätzlichen Leistungen gibt es im Bürgergeld?

Bürgergeld-Zusatzleistungen decken Mehrbedarfe (z.B. für Alleinerziehende, Schwangere, kostenaufwändige Ernährung), einmalige Bedarfe (Erstausstattung Wohnung/Kleidung, Erstausstattung Baby), sowie Leistungen für Bildung und Teilhabe (Schulausflüge, Nachhilfe) ab, wobei Kosten für Unterkunft und Heizung immer extra übernommen werden; zudem gibt es spezielle Prämien und Darlehen, die beantragt werden müssen.