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Was versteht man unter einem Vermächtnis?

Gefragt von: Esther Dörr-Forster  |  Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2026
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Ein Vermächtnis ist eine Zuwendung eines bestimmten Vermögenswerts (z. B. Geld, Schmuck, Immobilie) durch ein Testament oder einen Erbvertrag an eine Person, ohne sie zum Erben zu machen. Der Vermächtnisnehmer erhält dadurch einen Anspruch auf diesen konkreten Gegenstand oder Betrag gegenüber den Erben, tritt aber nicht in die gesamte Rechtsposition des Verstorbenen ein (also auch nicht in dessen Schulden). Es ist eine Form der letztwilligen Verfügung, die oft als Alternative zur Erbeinsetzung genutzt wird, um bestimmte Personen oder Organisationen zu bedenken.

Was ist besser, ein Erbe oder ein Vermächtnis?

Es gibt kein pauschal "besser"; Erbe ist umfassender und beinhaltet alle Rechte und Pflichten (auch Schulden), während ein Vermächtnis gezielter einzelne Vermögenswerte zuweist und den Begünstigten vor Nachlassverbindlichkeiten schützt, aber einen Anspruch gegenüber dem Erben begründet. Die Wahl hängt von den Zielen ab: Wer volle Kontrolle und Verantwortung will, ist Erbe. Wer nur einen bestimmten Gegenstand ohne Haftung erhalten soll, profitiert vom Vermächtnis.
 

Was muss ein Alleinerbe mit einem Vermächtnis beachten?

Ein Alleinerbe wird Gesamtrechtsnachfolger und erbt den gesamten Nachlass (alle Vermögenswerte und Schulden), während ein Vermächtnisnehmer nur einen einzelnen, bestimmten Anspruch (z. B. einen Geldbetrag, ein Auto) erhält, den er vom Erben fordern muss, ohne Teil der Erbengemeinschaft zu werden oder für Schulden zu haften (außer bei belasteten Immobilien). Der Erbe ist verpflichtet, das Vermächtnis zu erfüllen, haftet aber für Nachlassverbindlichkeiten, während der Vermächtnisnehmer dies nicht tut. 

Was ist ein Vermächtnis einfach erklärt?

Ein Vermächtnis ist eine Zuwendung eines bestimmten Vermögenswerts (Geld, Auto, Immobilie) aus einem Nachlass an eine Person, ohne diese zur Erbin zu machen; der Begünstigte (Vermächtnisnehmer) bekommt nur den zugewiesenen Vorteil und haftet nicht für Schulden, sondern hat nur einen Anspruch gegen die Erben, der aktiv eingefordert werden muss. Es wird durch ein Testament oder einen Erbvertrag festgelegt und ermöglicht es, gezielt Einzelpersonen oder Organisationen zu bedenken, ohne die gesamte Erbfolge zu verändern.
 

Wann macht ein Vermächtnis Sinn?

Wann ist ein Vermächtnis sinnvoll? Das Vermächtnis ist dann sinnvoll, wenn der Erblasser einer bestimmten Person, die meist nicht Erbe ist, etwas aus seinem Nachlass zukommen lassen will. Wenn z.B. der Nachbar oder Freund ein bestimmtes Schmuckstück bekommen soll oder einen bestimmten Geldbetrag.

Erbrecht: Was ist ein Vermächtnis?

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Wer hat Vorrang, Erbe oder Vermächtnis?

Das Vorausvermächtnis

Das Vermächtnis erhält der Vermächtnisnehmer und Erbe aber vorab und erst nach Erfüllung aller Verbindlichkeiten, inkl. von Vermächtnissen, wird das Erbe anhand der Erbquoten aufgeteilt.

Wie hoch ist der Freibetrag bei einem Vermächtnis?

Bis 20.000 Euro ist ein Vermächtnis immer steuerfrei

Kinder des Verstorbenen können bis zu einem Betrag von 400.000 Euro auf ein Vermächtnis keine Steuern bezahlen.

Was passiert, wenn der Vermächtnisnehmer stirbt?

Verstirbt der Vermächtnisnehmer vor dem Erblasser und hat dieser keinen Ersatzvermächtnisnehmer bestimmt, erlischt der Vermächtnisanspruch. Ist dagegen der Vermächtnisnehmer nach dem Erblasser verstorben, ist der Vermächtnisanspruch auf den Erben des Vermächtnisnehmers übergegangen.

Wie hoch darf ein Vermächtnis sein?

Ein Vermächtnis darf theoretisch beliebig hoch sein, es gibt keine absolute Obergrenze; es kann sogar höher sein als das gesamte Erbe. Wichtig ist, dass es konkret bestimmt sein muss, und bei zu hohen Vermächtnissen greifen oft Pflichtteilsansprüche der Erben, die den Anspruch mindern können, sowie Erbschaftsteuern, wobei es je nach Verwandtschaftsgrad hohe Freibeträge gibt (z.B. 500.000 € für Ehegatten). 

Wer erbt, wenn ein Vermächtnis ausgeschlagen wird?

Wenn ein Vermächtnis ausgeschlagen wird, verbleibt der zugewendete Gegenstand im Nachlass und geht an die Erben über, die diesen dann beanspruchen können, falls er nicht anderweitig durch den Erblasser bestimmt wurde, während bei der Ausschlagung der gesamten Erbschaft Sie als Erbe gelten, als ob Sie nie gelebt hätten, und der Anspruch an den nächsten gesetzlichen oder testamentarischen Ersatzerben (oft Ihre eigenen Kinder) übergeht, was eine Verschiebung der gesamten Erbverteilung bewirkt, da Sie auch keine Schulden übernehmen. 

Werden Vermächtnisse vom Nachlasswert abgezogen?

Berücksichtigung eines Vermächtnisses bei der Berechnung der Höhe des Pflichtteilsanspruchs. Bei der Berechnung der Höhe des Pflichtteilsanspruchs kann der Wert des Vermächtnisses nicht vom Nachlasswert abgezogen werden.

Was hat Vorrang, der Pflichtteil oder das Vermächtnis?

Im Erbrecht hat der Pflichtteil grundsätzlich Vorrang vor einem Vermächtnis; er wird zuerst befriedigt, da er den gesetzlichen Mindestanspruch naher Angehöriger sichert. Wenn ein Pflichtteilsberechtigter ein Vermächtnis erhält, das weniger wert ist als sein Pflichtteil, kann er die Differenz als sogenannten Zusatzpflichtteil (§ 2305 BGB) fordern, indem er entweder das Vermächtnis ausschlägt oder es annimmt, aber den Zusatzanspruch geltend macht. Vermächtnisse dürfen den Pflichtteil nicht mindern, aber der Erbe kann Vermächtnisnehmer kürzen, um den Pflichtteil zu erfüllen (§ 2318 Abs. 1 BGB).
 

Was passiert, wenn das Erbe-Vermächtnis nicht erfüllt ist?

Wenn ein Vermächtnis nicht erfüllt werden kann, weil der Erblasser den vermachten Gegenstand verschenkt hat, steht dem Vermächtnisnehmer ein Anspruch gegen den Beschenkten zu. Der Vermächtnisnehmer kann in diesem Fall den Wert des vermachten Gegenstands vom Beschenkten verlangen.

Welche Pflichten hat ein Vermächtnisnehmer?

Ein Vermächtnisnehmer gehört im Regelfall nicht zur Erbengemeinschaft. Deshalb muss er im Rahmen des Vermächtnisses auch keine Pflichten übernehmen. Es besteht somit keinerlei Pflicht sich um die Verwaltung des Nachlasses oder um die Aufteilung des Erbes zu kümmern.

Wer zahlt die Erbschaftssteuer für ein Vermächtnis?

Bei der Erbschaftssteuer im Zusammenhang mit einem Vermächtnis ist grundsätzlich der Vermächtnisnehmer selbst zur Zahlung der Steuer verpflichtet. Dies ergibt sich aus § 20 Abs. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG).

Wann muss der Erbe das Vermächtnis auszahlen?

Sobald ein Beschwerter die Erbschaft in Besitz genommen hat oder die Ausschlagungsfrist abgelaufen ist, wird die Herausgabe des Vermächtnisses fällig. Hat der Erblasser keinen speziellen Verfalltag für seine Anordnung bestimmt, wird das Vermächtnis zwei Monate nach dem Ableben fällig.

Warum Vermächtnis und nicht Erbe?

Ein Vermächtnis gibt einer Person einen Vermögensvorteil, ohne sie zum Erben zu machen. Der Vermächtnisnehmer hat nur einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den Erben. Er wird nicht automatisch Eigentümer und muss seinen Anspruch aktiv geltend machen.

Wie viel Erbschaftssteuer muss ich bezahlen, wenn ich 100.000 € Erbe?

Ehe- und eingetragene Lebenspartner müssen für die 100.000 Euro oberhalb ihres Freibetrags 11.000 Euro Erbschaftssteuer bezahlen. Bei Kindern und Enkeln, deren Eltern schon verstorben sind, beträgt der zu versteuernde Anteil der Erbschaft 200.000 Euro; dafür werden 22.000 Euro Erbschaftssteuer fällig.

Kann ein Haus ein Vermächtnis sein?

Wird eine Immobilie in einem Testament einer bestimmten Person zugewendet, kann hierin eine Erbeinsetzung, ein Vermächtnis, ein Vorausvermächtnis oder auch eine Teilungsanordnung sein - mit jeweils unterschiedlichen erbrechtlichen Folgen.

Was ist der Vorteil eines Vermächtnisses?

Ein Vermächtnis bietet den Vorteil, dass der Vermächtnisnehmer nur das erhält, was ihm vom Verstorbenen zugewiesen wurde. Damit geht er weniger rechtliche und finanzielle Verpflichtungen ein als ein Erbe. Der ist auch für die Verwaltung und etwaige Verbindlichkeiten aus dem Nachlass verantwortlich.

Wie hoch sind die Kosten für die Vermächtniserfüllung?

Die Kosten eines Vermächtniserfüllungsvertrags hängen vom Wert des Vermächtnisses ab und umfassen Notar- und Grundbuchgebühren (bei Immobilien auch Grunderwerbsteuer); üblicherweise trägt der Erbe die Kosten, sofern nichts anderes im Testament bestimmt ist. Bei einem Haus (z. B. 250.000 € Wert) können die reinen Notargebühren um die 1.070 € liegen, zuzüglich Grundbuchkosten; bei reinen Geld-Vermächtnissen fallen Notarkosten nach dem Nachlasswert an, beispielsweise bei 140.000 € Nachlass rund 534 €. 

Wird man als Vermächtnisnehmer vom Nachlassgericht informiert?

Das bedeutet, dass der Vermächtnisnehmer ab dann das Vermächtnis aktiv einfordern muss, um es zu erhalten. In den meisten Fällen wird der Vermächtnisnehmer vom Nachlassgericht über das Vermächtnis informiert, indem er als Begünstigter eine Kopie des Testaments erhält.

Was muss ich bei einem Vermächtnis beachten?

Vermächtnis: Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Vermächtnis ist etwas anderes als eine Erbeinsetzung.
  • Der Vermächtnisnehmer kann, muss aber nicht Erbe sein.
  • Der Vermächtnisnehmer muss vom Erben die Übertragung des Vermächtnisgegenstandes verlangen.
  • Ein Vermächtnis muss nicht angenommen, es kann auch ausgeschlagen werden.

Welcher Kontostand zählt beim Vermächtnis?

Der Erbe erhält das Vermögen automatisch

Alles was am Todestag an Vermögen vorhanden war, steht dem Erben zu. Entscheidend ist damit der Kontostand des Bankkontos am Todestag des Erblassers.

Sind Vermächtnisse steuerpflichtig?

Ja, ein Vermächtnis muss versteuert werden, da es als "Erwerb von Todes wegen" der Erbschaftsteuer unterliegt, genau wie eine Erbschaft; der Vermächtnisnehmer trägt die Steuerlast, die sich nach Freibeträgen und Steuerklassen richtet, ähnlich wie bei einem Erben. Die Steuerpflicht entsteht bereits mit dem Erbfall, nicht erst bei Erfüllung, und der Wert des Vermächtnisses wird zum Todeszeitpunkt bewertet.