Wann war Abtreibung strafbar?
Gefragt von: Frau Prof. Maria Herbst | Letzte Aktualisierung: 28. Juni 2026sternezahl: 4.9/5 (67 sternebewertungen)
Abtreibung ist in Deutschland grundsätzlich seit 1871 durch § 218 StGB strafbar, wurde aber durch verschiedene Reformen und Entscheidungen modifiziert; sie bleibt bis zur 12. Woche unter bestimmten Bedingungen (Beratung, Frist) straffrei, aber auch bei medizinischer oder kriminologischer Indikation sowie nach einer Vergewaltigung sind Abbrüche nicht strafbar, wobei die genaue Regelung durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1993 und die darauf folgende Neufassung des § 218a StGB festgelegt wurde.
Wann wurde die Abtreibung verboten?
Frauen dürfen straffrei abtreiben, wenn seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, der Abbruch durch einen Arzt erfolgt und sie sich zuvor haben beraten lassen – dies entschied der Deutsche Bundestag am 29. Juni 1995 in der Neufassung des Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetzes.
Bis wann war Abtreibung strafbar?
Seit 1871 stellte der Paragraf 218 des Strafgesetzbuches Abtreibungen grundsätzlich unter Strafe. Angedroht wurden bis zu fünf Jahre Zuchthaus, mindestens aber sechs Monate Gefängnis. Als einzige Ausnahme von diesem Verbot ließ die Justiz seit 1927 Abtreibungen aus medizinischen Gründen zu.
Wann ist eine Abtreibung illegal?
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich rechtswidrig, aber straffrei bis zur 12. Schwangerschaftswoche (gerechnet ab der letzten Regelblutung), wenn eine obligatorische Beratung bei einer anerkannten Stelle erfolgt und eine mindestens dreitägige Wartezeit zwischen Beratung und Eingriff eingehalten wird, so das Bundesverfassungsgericht und Bundestag. Ohne diese Frist und Beratung bleibt er strafbar, außer bei medizinischer (Lebens- oder Gesundheitsgefahr) oder kriminologischer Indikation (z.B. nach Vergewaltigung).
Wann wurde Paragraph 218 in Deutschland geändert?
Die Reform von Paragraph 218
Am 12. Februar 1976 beschloss der Bundestag schließlich die Reform des Paragraphen 218. Am 22. Juni 1976 trat die Neufassung des § 218 in Kraft.
Ist der Schwangerschaftsabbruch strafbar? | Wir erklären Strafrecht
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Wer hat das Abtreibungsgesetz erfunden?
Das Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft war ein von der Volkskammer, dem Parlament der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), am 9. März 1972 beschlossenes Gesetz zur Regelung des Schwangerschaftsabbruchs.
Wie sieht die rechtliche Seite 218 der Abtreibung in Deutschland aus?
(1) Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.
Warum darf man bis zur 12. Woche abtreiben?
In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche (nach der Befruchtung, also ca. 14. SSW) grundsätzlich straffrei, weil er als weniger gravierend angesehen wird, da der Fötus noch keine eigenständige Lebensfähigkeit entwickelt hat und die Risiken für die Schwangere geringer sind, zudem die Schwangere in dieser Phase das Recht auf Selbstbestimmung stärker wiegt, während ein Abbruch danach nur bei medizinischer oder kriminologischer Indikation möglich ist. Es gibt eine Beratungspflicht und eine Wartefrist, aber der Abbruch wird nicht bestraft, wenn diese eingehalten werden.
In welchem Land ist Abtreibung verboten?
Geographisch betrachtet, gibt es die strengsten Regelungen in Ozeanien und Afrika, gefolgt von Lateinamerika und der Karibik. Die Länder Chile, die Dominikanische Republik, El Salvador, Nicaragua, Malta und der Heilige Stuhl verbieten einen Schwangerschaftsabbruch unter allen Umständen.
Wann ist die Spättabtreibung?
Spätabtreibungen sind in Deutschland bis zur 22. Schwangerschaftswoche (SSW) nach § 218a Abs. 4 StGB erlaubt, wenn eine ärztlich festgestellte Indikation (z.B. eine schwerwiegende Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der Schwangeren) vorliegt und eine Beratung stattgefunden hat. Der Abbruch wird dann als Geburt eingeleitet, oft mit vorherigem Fetozid (Herzstillstand), um ein Überleben zu verhindern.
Wie hat man im 18. Jahrhundert abgetrieben?
- Mittel, die direkten Druck auf den Uterus ausüben, wie Pessare, die mit scharfen Substanzen getränkt waren. - Mechanische Einwirkung durch Drücken des Körpers (Tragen von schweren Lasten) oder Erschütterung des Körpers (Springen und Hüpfen).
Ist eine Abtreibung in der 22. Schwangerschaftswoche strafbar?
Ein Schwangerschaftsabbruch in der 22. Woche ist in Deutschland rechtlich ein Grenzfall, aber nach Beratung und ärztlicher Durchführung bis zur 22. Woche straffrei für die Frau (§ 218a Abs. 4 StGB). Ab der 22. Woche gilt der Fötus als eigenständig lebensfähig, weshalb der Abbruch meist durch sogenannte Fetozid-Verfahren (Herzstillstand durch Injektion) vorgenommen wird, um eine Lebendgeburt zu verhindern, was eine ethisch und juristisch komplexe Situation darstellt.
Was war die Indikationslösung von 1976?
Der Bundestag beschloss darauf 1976 eine Indikationslösung. Schwangerschaftsabbrüche waren rechtmäßig, wenn es eine medizinische oder soziale Notlage gab sowie nach einer Vergewaltigung oder wenn ein behindertes Kind erwartet wurde. In der DDR war bereits 1972 eine Fristenlösung eingeführt worden, die bis 1992 galt.
Wie wurden Frauen im Mittelalter abgetrieben?
In der professionellen Medizin werden bei Abtreibungen Prostaglandine verwendet, um die Cervix zu öffnen; manchmal auch Laminariastäbchen. Zu demselben Zweck haben sich schon im europäischen Mittelalter abtreibungswillige Frauen Zweige der Rot-Ulme in die Cervix gesteckt.
Ist Abtreibung moralisch vertretbar?
Die moralische Vertretbarkeit von Abtreibungen ist eine tief gespaltene Frage, die ethische Positionen, religiöse Überzeugungen, rechtliche Rahmenbedingungen und persönliche Autonomie gegeneinander abwägt, wobei Befürworter die Selbstbestimmung der Frau betonen und Gegner das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes schützen wollen, wobei Gesetze (wie in Deutschland) oft versuchen, einen Kompromiss durch Beratungs- und Fristenregelungen zu finden. Es gibt keinen universellen Konsens, da der Wert des embryonalen Lebens gegen das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden der Frau abgewogen werden muss.
War Abtreibung in der DDR verboten?
Clara und Nadine: Anfang März 1972 wurde in der DDR das «Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft» beschlossen und in Kraft gesetzt. Damit waren Abtreibungen in den ersten drei Monaten ohne Angabe von Gründen straffrei möglich.
In welchem Land gibt es die meisten Abtreibungen?
Von den jeweils 1.000 befragten Frauen pro Land wurden die meisten Abtreibungen in Schweden durch-geführt. Rund jede fünfte Schwangerschaft wird hier abgebrochen. In Großbritannien und Frankreich gibt es ebenfalls mit 18 bzw. 17 Prozent eine hohe Rate an Schwangerschaftsab- brüchen.
Wer hat Abtreibung verboten?
Abtreibungen sind weltweit in vielen Ländern stark eingeschränkt oder verboten, besonders in Teilen der USA (z.B. Arizona), Polen, Malta, El Salvador, Honduras und Nicaragua, oft sogar bei Vergewaltigung oder Inzest, und meist nur in medizinischen Notfällen erlaubt. In Deutschland ist Abtreibung unter bestimmten Bedingungen (Beratung, Fristen, medizinische/kriminologische Gründe) straffrei, aber nicht generell verboten.
Warum ist Schwangerschaftsabbruch strafbar?
Welche strafrechtlichen Regelungen gibt es zum Schwangerschaftsabbruch? Das Grundgesetz verpflichtet den Staat zum Schutz des ungeborenen Lebens. Diesem Schutz dienen der § 218 und folgende des Strafgesetzbuches ( StGB ), nach denen der Schwangerschaftsabbruch im Grundsatz für alle Beteiligten eine Straftat darstellt.
Was passiert mit dem Baby bei einer Abtreibung?
Bei einer Abtreibung wird der Embryo bzw. Fötus durch verschiedene medizinische Verfahren aus der Gebärmutter entfernt, entweder medikamentös (durch Auslösen von Wehen und Abstoßen ähnlich einer Fehlgeburt) oder operativ (meist durch Absaugen oder Ausschaben), wobei die Methode vom Schwangerschaftsstadium abhängt, um den Herzschlag zu stoppen und das Gewebe zu entfernen. Der Vorgang ist medizinisch so gestaltet, dass er in der Regel effektiv ist und Komplikationen selten sind, wobei die genaue Vorgehensweise vom Zeitpunkt der Schwangerschaft und der gewählten Methode variiert.
Welche Gefühle erleben Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch?
Nach einem Schwangerschaftsabbruch sind die Gefühle sehr individuell und reichen von Erleichterung, Freude oder auch einem Gefühl der Stärke bis hin zu Trauer, Schuld, Angst, Niedergeschlagenheit, Wut und hormonell bedingten Stimmungsschwankungen, die oft auch mit körperlichen Reaktionen wie Schmerzen und Blutungen einhergehen können, wobei die Verarbeitung stark von den persönlichen Umständen (z.B. Druck, Lebenssituation, moralische Einstellung) abhängt. Es gibt keine pauschale "normale" Reaktion, und professionelle Beratung bei Beratungsstellen wie pro familia oder donum vitae ist eine wichtige Anlaufstelle.
Kann man im 4. Monat abtreiben?
Das bedeutet, dass eine Schwangerschaft innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate ohne Vorliegen eines medizinischen Grundes abgebrochen werden kann. Voraussetzung ist, dass vor dem Abbruch ein Aufklärungsgespräch stattfindet und der Abbruch von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt wird.
Ist der Paragraph 218 noch gültig?
Ja, Paragraph 218 des deutschen Strafgesetzbuches (StGB) ist weiterhin gültig, regelt also grundsätzlich den Schwangerschaftsabbruch als rechtswidrig, aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei – insbesondere innerhalb der ersten 12 Wochen nach verpflichtender Beratung und dreitägiger Bedenkzeit, sowie bei medizinischer oder kriminologischer Indikation. Es gibt zwar Forderungen und Gesetzesinitiativen zur Entkriminalisierung, aber eine vollständige Streichung oder Verlagerung aus dem StGB steht noch aus, auch wenn Teile wie das Werbeverbot gelockert wurden.
Bis wann ist die Spättabtreibung?
Spätabtreibungen sind in Deutschland bis zur 22. Schwangerschaftswoche (SSW) nach § 218a Abs. 4 StGB erlaubt, wenn eine ärztlich festgestellte Indikation (z.B. eine schwerwiegende Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit der Schwangeren) vorliegt und eine Beratung stattgefunden hat. Der Abbruch wird dann als Geburt eingeleitet, oft mit vorherigem Fetozid (Herzstillstand), um ein Überleben zu verhindern.
Wann war Abtreibung in Deutschland erlaubt?
Abtreibung ist in Deutschland grundsätzlich weiterhin rechtswidrig nach § 218 StGB, aber unter bestimmten Bedingungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei, wenn eine verpflichtende Beratung durchlaufen wurde und der Abbruch bei einem Arzt erfolgt, was durch das Gesetz von 1995 festgelegt wurde. Die gesetzliche Grundlage für diese Regelung mit Fristen- und Beratungslösung wurde am 29. Juni 1995 vom Bundestag beschlossen und gilt seitdem einheitlich für das gesamte Bundesgebiet, um die Rechtsprechung nach der Wiedervereinigung zu vereinheitlichen.
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